JugendFilmTag Kiel

Die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e.V. empfiehlt:

SCHERBENPARK

Spielfilm | FSK 12 | 94 Min.
// Selbstfindung // Familienbilder // Identität // Vorurteile // Geschlechterrollen
„Sascha, 17 Jahre alt, weiblich, wütend, wohnhaft im Hochhausghetto „Scherbenpark“, die Mutter vom Stiefvater umgebracht – nimmt ihr scheinbar perspektivloses Leben selbst in die Hand.“
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Worum gehts?

Sascha ist 17, zielstrebig und wohnt im „Scherbenpark“, einer tristen Hochhaus-Siedlung. Im Gegensatz zu vielen anderen hat sie noch Träume: Sie möchte ein Buch über ihre Mutter schreiben, mit dem Titel „Die Geschichte einer hirnlosen rothaarigen Frau, die noch leben würde, wenn sie auf ihre kluge älteste Tochter gehört hätte“. Und sie will Vadim töten, ihren Stiefvater und Mörder ihrer Mutter. Der sitzt allerdings noch für viele Jahre im Gefängnis und so bleibt Sascha dafür noch Zeit. Seit dem Tod ihrer Mutter managt das Mädchen den Alltag ihrer beiden kleinen Geschwister und der entfernten Verwandten, die aus Russland gekommen ist, um sich um die Kinder zu kümmern. Als Sascha den Journalisten Volker und dessen 16-jährigen Sohn Felix kennen lernt, öffnet sich für sie die Tür in ein stylisches Vorort-Haus und ins Bildungsbürgertum – und ihr wird klar, dass sie ihren eigenen Weg finden muss.

Warum "Scherbenpark"?

Die LVGFSH empfiehlt „Scherbenpark“, weil soziale und gesundheitliche Chancen und Ressourcen auch in Schleswig-Holstein nicht für alle Menschen gleich sind. Auch bei uns leben viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze, sind vielleicht alleinerziehend, arbeitslos, haben einen Migrationshintergrund… Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Jeder Faktor für sich und alle Faktoren zusammen stellen ein großes Risiko für die Gesundheit dar. Daher ist ein Schwerpunkt in der Arbeit der Landesvereinigung die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (kurz: die „KGC“), bei der es darum geht, möglichst allen Menschen den Zugang zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise zu ermöglichen.

Der „Scherbenpark“ spiegelt die Lebenswelt vieler Jugendlicher sehr gut wider. Die Protagonistin Sascha, die von Jasna Fritzi Bauer gespielt wird, kommt lebensnah rüber. Sascha ist sehr verletzt, sie ist unglaublich wütend auf ihre Lebensumstände und die vermeintliche Perspektivlosigkeit. Gleichzeitig ist sie aber auch fest entschlossen, sich nicht in ihr scheinbar vorgezeichnetes Schicksal zu fügen. Es gibt kaum einen Moment, in dem Sascha nicht präsent ist und mit einer Mischung aus Verletztheit und Rebellion deutlich macht, was es bedeutet, den eigenen Weg zu suchen.

Da der Film in den Schnitten, in den Farben und auch in der Musik sehr zurückhaltend ist, liegt der Fokus stark auf den Personen und ihrem inneren Seelenleben. Bei aller Problematik ist hier ein Mutmacherfilm zu sehen. Sascha nimmt es selbst in die Hand, aus ihrer prekären Lebenssituation in dem Hochhaus-Ghetto und der insgesamt schwierigen sozialen Lage herauszukommen. Dabei stellt sie sich auch gegen gesellschaftliche Anforderungen, die z.B. die russisch-deutsche Community und ihre Familie von ihr fordern.

Zwar wird der schwierige Weg des Erwachsenwerdens in einer extrem problematischen Lebensumwelt dargestellt, dies macht den Film aber überhaupt nicht deprimierend. In der Jurybegründung für den Fritz-Raff-Drehbuchpreis wird auch dementsprechend formuliert, dass das Drehbuch von Katharina Kress vielmehr „wunderbar leicht zwischen ungeschönter Tragik und lebensbejahendem Humor oszilliert“. Neben dem Fritz-Raff-Drehbuchpreis hat „Scherbenpark“ auch viele weitere Auszeichnungen gewonnen.

Materialien für Lehrkräfte

Hintergrundinformationen und diverse vertiefende Möglichkeiten zur Bearbeitung finden sich beim Institut für Kino und Filmkultur.

K I N O & C U R R I C U L U M informiert Pädagog*innen über aktuelle Kinofilme bietet Diskussionsansätze auf Grundlage der Lehrpläne und liefert thematische und ästhetische Hintergrundinformationen zur Filmbesprechung.

Hier finden Sie unter anderem:

  • Hintergrundinformationen zur Problemstellung und curriculare Bezüge,
  • Fragen und Anregungen zu den thematischen Aspekten,
  • Fragen und Anregungen zur filmischen Gestaltung,
  • Literaturhinweise,
  • Lehrplanbezüge und
  • verschiedene Arbeitsblätter

Wer wir sind...

Die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung ist ein gemeinnütziger Verein, der zur Aufgabe hat, die Gesundheit der Bevölkerung in Schleswig-Holstein zu verbessern.
Seit mehr als 50 Jahren engagiert sie sich deshalb für Prävention und Gesundheitsförderung. Die Themenvielfalt ist groß: Gesund aufwachsen in Kita und Schule, gesund arbeiten im Berufsleben, gesund älter werden. Mit eigenen Projekten und in vielen Netzwerken und Kooperationen sind wir in und für ganz Schleswig-Holstein aktiv.

Kinder und Jugendliche stellen seit Gründung der LVGFSH einen Schwerpunkt der Arbeit dar. Bereits seit 2006 führen wir den JugendFilmTag Kiel durch.

Petra Schulze-Lohmann

Dr. Petra Schulze-Lohmann

Svenja Syring

Svenja Syring

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